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Was ist Credition?
Credition kommt von credere, dem lateinischen Wort für glauben. Der Ausdruck Credition ist in gleicher Weise gebildet wie Emotion oder Kognition. Mit Credition [im Singular] wird jene zentrale Funktion des Gehirns bezeichnet, die Glauben hervorbringt. Mit Creditionen [in der Pluralform] werden die Vorgänge bezeichnet, die Glauben entstehen lassen. Sie laufen vornehmlich unbewusst (subliminal) ab.
Hier finden Sie zunächst Antworten auf häufig gestellte Fragen und anschließend wichtige Hinweise zu Übersetzungsproblemen, die im Themenbereich Credition besonders gravierend sind.
Häufig gefragt: die Basics zu Credition
[1] Ist es richtig, wenn ich bei "glauben" an Religion denke?
Das ist ein Problem. Es ist allerdings weit verbreitet, dass man bei Glauben zuerst an Religion denkt. Dies ist Folge einer rund zweitausendjährigen europäischen Geistesgeschichte und hängt somit auch mit dem Christentum zusammen.
[3] Wann treten Creditionen auf?
Creditionen können in unterschiedlichen Situationen aktiviert sein, z.B. bei der Selbsteinschätzung oder der Einschätzung unklarer Situationen. Sie können dabei in ganz verschiedenen Bereichen auftreten. Neben solchen, die sich auf Religion beziehen, gibt es auch Glaubensvorgänge im Kontext von Politik, Technik, Klimawandel, Wirtschaft, Führungsverhalten (Leadership), Finanzinvestitionen - aber auch im Zusammenhang mit Ernährung, Gesundheit oder Partnerschaft.
[4] Sind Creditionen für mich persönlich wichtig?
Ja. Creditionen sind z.B. aktiviert, wenn man über Sinnfragen nachdenkt, etwa darüber, welchen Sinn das Leben hat oder welche Bedeutung man der Beziehung zu einem anderen Menschen zumisst. Creditionen beeinflussen, wofür und für wen man leben oder wofür man sich engagieren möchte. Darüber hinaus spielen Creditionen bei der Wahrnehmung und Einschätzung anderer Menschen eine Rolle, ebenso bei der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Eine herausragende Bedeutung bekommen Creditionen heute auch deswegen, weil die Überschwemmung mit Fake-news dazu führt, dass wir unsicher werden und uns die Frage stellen: Was kann man überhaupt (noch) glauben?
[5] Merkt man, ob und wie die eigenen Creditionen wirken?
Der Ablauf von Creditionen beginnt außerhalb der bewussten Wahrnehmung. Die dabei entstehenden “vorbewussten Vorstellungen” sind subliminal und heißen primal beliefs. Wenn die “Bewusstseins-Schwelle” überschritten wird, können wir die Einstellungen und Haltungen, die durch Creditionen hervorgebracht werden, bewusst wahrnehmen. Nun können sie als „Glaube, dass …“ oder „Glaube an …“ erfasst und sprachlich ausgedrückt werden. Zwar sind Creditionen auch schon in einer subliminalen Phase wirksam, doch spätestens ab ihrer Bewusstwerdung und Versprachlichung bestimmen die Ergebnisse unserer Creditionen nachhaltig unser Handeln.
[6] Welche Auswirkungen haben Creditionen?
Es ist nicht gleichgültig, welchen Glauben und welche Überzeugungen man während des Ablaufs von Creditionen entwickelt. Werden sie durch metakognitive Reflexion stabilisiert, beeinflussen sie unsere eigene Gefühlslage und unser Mindset, insbesondere aber unser Handeln und unser Verhalten. Allerdings kann sich die Stabilität von glaubensbasierten Überzeugungen durch neue Stimuli aus der Außen- oder Innenwelt wieder verändern. Dies ist von besonderer Bedeutung, wenn es um religiösen Glauben geht (siehe [10]).
[7] Seit wann gibt es Creditionen?
Vor ca. zwei Millionen Jahren kam es zu einer weitreichenden evolutionären Entwicklung der Hominiden. Ihre Gehirnentwicklung machte ab jetzt einen gewaltigen Schub (Iriki & Taoka 2012). Es kann sogar angenommen werden, dass die Gehirnentwicklung auch deswegen vorangetrieben wurde, weil sich im weiteren Verlauf der Evolution die Fähigkeit glauben zu können herausbildete. Für die Fähigkeit, glauben zu können, benötigte das Gehirn neue Ressourcen. Das Entstehen von Creditionen konnte so zu einer treibenden Kraft der Gehirnentwicklung werden (Seitz & Angel 2020).
Zu einem interdisziplinären Forschungsgegenstand hat sich das Thema Credition hingegen erst im letzten Jahrzehnt entwickelt. Auf dem an der Universität Graz veranstalteten Grundlagenkongress The Structure of Credition 2015 wurde vom Neurologen Rüdiger J. Seitz postuliert, dass Credition eine Gehirnfunktion ist, die am Entstehung unserer Glaubensvorstellungen maßgeblich beteiligt ist. Dies bedeutet unter anderem, dass sich Creditionen nicht ausschalten lassen. Man kann also nicht “nicht glauben”, Diese Auffassung wurde im Jahr 2016 erstmals publiziert (Angel & Seitz 2016).
Die genannten Beiträge findet man auch auf dieser Website: https://credition.uni-graz.at/de/creditionenforschung/grundlagenforschung/
[8] Was bringt es mir, wenn ich über Creditionen Bescheid weiß?
Wir haben häufig (aber oft unbewusst) bestimmte Vorstellungen im Hinterkopf, die unsere Kommunikation beeinflussen. Diese zu kennen ist Voraussetzung dafür, dass man sie bei Ihrem Auftreten erkennen kann. Man kann sich dann mit den eigenen Vorstellungen - oft werden sie als basic beliefs bezeichnet - auseinandersetzen, und man kann gegebenenfalls auch daran arbeiten, sie zu verändern.
Hat man Zugang zu den Denkmustern, die im Hinterkopf wirksam sind, kann man auch mit anderen darüber sprechen. Dafür ist hilfreich, sich auf Modelle zu beziehen. Wer z.B. in Gesprächen häufig den Eindruck hat, vom Gegenüber zu etwas gedrängt zu werden, kann dies mithilfe des sogenannten Kommunikationsquadrats ("Vier-Ohren-Modell”) gut kommunizieren. Es erleichtert die Kommunikation, wenn das Gegenüber in einer Kommunikation das Modell ebenfalls kennt.
Die Creditionenforschung hat zwei Modelle entwickelt. Das eine nennt sich neurales Creditionen-Modell. Es beschreibt Vorgänge im Gehirn, die wirksam sind, wenn wir Glaubensvorstellungen entwickeln. Das andere ist das Creditionen-Kommunikationsmodell. Es lässt sich in Gesprächen einsetzen. Um es anzuwenden, sind keine neurowissenschaftlichen Kenntnisse erforderlich. Allerdings erleichert es auch hier die Kommunikation, wenn alle an einem Gespräch Beteiligten das Modell kennen.
[9] Sind die Creditionen-Modelle auch beruflich einsetzbar?
Ja. Das neurale Creditionen-Modell hilft zu verstehen, was in uns abläuft, während wir unsere Glaubensvorstellungen ausprägen und wie sich dies auf unser Handeln auswirkt. Es kann auch einsichtig machen, dass bei Creditionen klinische Störungen auftreten können, die abnorme Glaubensvorstellungen hervorrufen.
Auf das Credition-Kommunikationsmodell kann man sich beziehen, wenn man beruflich viel mit Kommunikation zu tun hat und das eigene und fremde Kommunikationsverhalten analysieren und besser verstehen möchte.
[2] Haben Creditionen etwas mit Religion zu tun?
Nein. Creditionen sind biologische Vorgänge. Sie treten sehr häufig auf und spielen bei allen Arten von Glauben eine Rolle (siehe [3] bis [9]). Auch wenn Creditionen nichts mit Religion zu tun haben, ist ihr Auftreten im Zusammenhang mit religiösem Glauben besonders auffällig (siehe [10] bis [15]).
[10] Welchen Einfluss haben Creditionen auf religiösen Glauben?
Creditionen sind daran beteiligt, wenn religiöser Glaube entsteht. Sie haben Einfluss darauf, ob religiöser Glaube wächst, abnimmt oder ganz verloren geht. Allerdings kann das Wort religiös irreführend sein.
[11] Was meint man mit religiös?
Die religiöse Semantik ist verwirrend.
(1) Es gibt zwei SUBSTANTIVE, die man klar von einander unterscheiden muss: Religion und Religiosität.
Dann gibt es das ADJEKTIV religiös. Es ist bipolar, weil es sich auf beide Substantive beziehen kann. Und es ist ein verbindendes Adjektiv, das auf das Verhältnis von Religion und Religiosität verweist. Wenn man das Adjektiv religiös verwendet, sollte man somit zum Ausdruck bringen, dass es sowohl um Religion als auch um Religiosität geht. In unserer Kultur wird diese Unterscheidung leider meist nicht gemacht.
(2) Im allgemeinen wie im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird das Adjekt religiös vielmehr “amputiert”, weil man es meist ausschließlich auf Religion bezieht. Diese Verstümmelung hat eine negative Wirkung, weil nun die religiöse Semantik einseitig und falsch gewichtet wird. Insgesamt ist in unserer Kultur die Bedeutung von Religiosität unterbewertet. Diese Vernachlässigung kann aber geradezu gefährlich sein, etwa dann, wenn von religiösem Extremismus die Rede ist und damit eine Religion gemeint sein soll.
(3) Dann gibt es weitere Substantive wie z.B. Esoterik, Atheismus, Theismus, Mystik, Spiritualität oder Frömmigkeit sowie dazu gehörige weitere Adjektive wie fromm, mystisch, spirituell, atheistisch, agnostisch, esoterisch, holistisch und andere mehr. Mit der Bedeutung solcher Ausdrücke beschäftigen sich Religionsphilosophie und Religionspsychologie. Es wird z.B. analysiert, was mit Formulierungen wie “spirituell, aber nicht religiös” oder “religiös, aber nicht spirituell” ausgedrückt werden soll und welche Erfahrungen damit gemeint sind.
(4) Bei Religion(en) geht es um kulturelle Systeme. Bei Religiosität geht es um Personen bzw. um Individuuen. Wenn man die Charakterisierung religiös auf Individuen anwendet, dann geht es um die "Ausprägung von Religiosität”. Man kann z.B. analysieren, welches religiöse Verhalten mit der Ausprägung von Religiosität einhergeht.
[12] Was meint man mit Religiosität?
In der Psychologie meint man damit ein Persönlichkeitsmerkmal. Dieses ist allerdings nicht stabil. Im Laufe des Lebens kann sich die indivuelle Religiosität von Menschen tiefgreifend verändern. Wie Menschen im Laufe ihres Lebens mit Religionen umgehen und sich deren Glaubensinhalte aneignen, kann sich verändern. In entwicklungspsychologischer Hinsicht spielen auch die Einflüsse der umgebenden Kultur eine Rolle. All dies kann sich auf die Ausprägung individueller oder kollektiver Religiosität auswirken.
Doch jetzt kommt etwas wirklich Verrücktes: Es gibt eine Unzahl von theoretischen Vorschlägen, wie man Religion definieren kann. Aber: Es gibt kaum Versuche, das, was man unter Religiosität verstehen möchte, theoretisch zu klären.
Zudem ist das Wort “Religiosität” im allgemeinen Sprachgebrauch unserer Kultur unterbewertet und wenig gebräuchlich. Das Wort wird am ehesten in der Wissenschaft, etwa der Religionspsychologie, der Theologie oder der Religionspädagogik verwendet. Doch dies geschieht meist ohne genauere Vorstellungen darüber, was genau damit gemeint sein soll. Solange dies alle machen, fällt es kaum auf. In Wirklichkeit ist ein solches Sprachverhalten jedoch echt krass. Es verhindert zudem, dass man die Rolle von Creditionen bei der Ausprägung von Religiosität adäquat erfassen kann.
Doch wie kann man Religiosität definieren?
[13] Religiosität als erweitertes Homöostase-System
Wenn man versucht, Religiosität zu definieren, bewegt man sich auf relativ ungesichertem Terrain. Ein Vorschlag ist, Religiosität als ein erweitertes Homöostase-System zu verstehen, das dem Menschen trotz aller Bedrängnis oder Unsicherheit Halt und Stabilität gibt (Angel 2006, 69-91).
Wie kommt es zu dieser Auffassung?
Ausgangspunkt ist ein biologisch-körperliches Prinzip, das man als Homöostase bezeichnet. Diese hält den Organismus in einem ausbalancierten Gleichgewicht und ist für Lebewesen unerlässlich. Das biologische Homöostase-System ermöglicht, dass der Körper Veränderungen (etwa Temperaturunterschiede) auszubalancieren kann.
In analoger Weise kann man auch Religiosität als ein Balance-System verstehen, das über die rein körperlichen Herausforderungen hinausreicht. Dieses erweiterte Balance-System ist in der Lage, auf mental-geistige Herausforderungen zu reagieren, etwa dann, wenn bisherige Antworten zur Sinnfindung oder bisherige Vorstellungen in Sachen Transzendenz erschüttert werden. Die Suche nach einer inneren Balance kann gelingen und zu einem reiferen religiösem Glauben führen. Das Ausbalancieren erschütternder Erfahrungen kann aber auch misslingen und die individuelle Religiosität kann sich in düsterer Weise ausprägen, oder gar pathologisch werden.
Message to go: Religiosität lässt sich als erweitertes Balance-System verstehen, das über die biologischen Gegebenheiten hinausreicht und transzendente Erfahrungen umfassen kann.
Terminologie: Das biologische Balance-System kann man als Homöostase I bezeichnen. Religiosität als erweiterte und umfassendere Balance-Fähigkeit kann man als Homöostase II bezeichnen.
Religiosität und Credition: Die Auffassung, Religiosität als eine Art “Balance-System” zu verstehen, war ein entscheidender Impuls für den Beginn der Creditionenforschung (Angel 2022).
[14] Welche Rolle spielen Creditionen bei der Ausprägung von Religiostität?
Bei der Ausprägung menschlicher Religiosität spielen Creditionen eine zentrale Rolle. Sie haben Einfluss darauf, in welcher Weise sich individuuen auf eine Religion beziehen und dies hat Auswirkungen darauf, wie sie ihre Religiosität ausprägen. Die individuellen Erscheinungsformen von Religiosität (z.B. weltoffen, engstirnig, patriarchal, versöhnungsbereit, fundamentalistisch, usw.) können weit auseinanderliegen. Dies kann selbst dann der Fall sein, wenn Menschen sich auf die gleiche Religion beziehen. Die individuellen Erscheinungsformen von Religiosität können aber auch nahe beieinanderliegen, selbst dann, wenn Menschen sich auf verschiedene Religionen beziehen.
[15] Warum sind Creditionen für religiösen Glauben so bedeutsam?
Wenn man klar zwischen Religion und Religiosität unterscheidet, kann man feststellen: Religiöser Glaube kann immer dann entstehen, wenn jemand unter Bezug auf eine Religion (einschließlich ihres je aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Kontexts) die eigene individuelle Religiosität ausprägt.
Menschen können gegenüber Religonen unterschiedlich sensibel sein. Sie können bei der Ausprägung ihrer Religiosität zudem auf verschiedene Weise mit Religionen umgehen. Sie können sich z.B. alle Vorgaben aneignen, sie können aber auch einzelne Bestandteile von Religionen ablehnen. Creditionen haben Einfluss darauf, ob und wie dies geschieht. Deswegen tragen Creditionen dazu bei, dass es selbst innerhalb einer gleichen Religion (oder auch Konfession) zu unterschiedlichen Ausprägungen individueller Religiosität kommt. Wenn man verstehen möchte, warum es innerhalb ein und derselben Religion so große Unterschiede im religiösen Verhalten gibt, ist es hilfreich, Creditionen zu verstehen.
Das gleiche gilt, wenn man wissen möchte, warum es über die Grenzen von Religionen hinweg Gemeinsamkeiten im religiösen Verhalten gibt. Auch hier sind Creditionen einer der entscheidenden Faktoren. Kenntnisse über Creditionen können deswegen dazu beitragen, die Spannung zwischen den Religionen zu verringern und mit deren Differenzen konstruktiv umzugehen.
"Glaube und glauben" ist ein komplizierter Themenkomplex für Übersetzungen
Von der Antike bis heute: Die Übersetzungsprobleme der Glaubensterminologie sind unvermeidlich
Das Englische hat sprachliche Möglichkeiten, die die deutsche Sprache nicht bietet - und umgekehrt. Das gilt für die Glaubensthematik in besonders ausgeprägter Weise. Daraus resultieren terminologische Probleme, die sich nicht lösen lassen. Die Unterschiede in den sprachlichen Gegebenheiten machen sich auch in der jeweiligen Denkweise bemerkbar. Insbesondere aber treten sie zutage, wenn es um die Übersetzung von deutschen Texten ins Englische geht - und umgekehrt. Geradezu tückisch wird es, wenn man es mit KI-generierte Übersetzungen zu tun hat.
Es ist allerdings kein Zufall, dass die Ausdrucksmöglichkeiten, über die die Sprachen verfügen, so verschieden sind. Die Unterschiede und Unvereinbarkeiten sind mit der Entwicklung der Sprachen entstanden. Um die heutigen sprachbezogenen Probleme der Glaubensthematik zu verstehen, muss man historisch weit zurückgehen, denn die noch immer wirksamen Wurzeln liegen in der Antike.
Die Credition-Website: Probleme der KI-generierten Übersetzung ins Englische
Die Forschungswebsite der Universität Graz ist im Original auf Deutsch verfasst. Die englische Übersetzung ist automatisiert von KI-generiert. Sie ist noch nicht vollständig und sie wurde bislang auch noch nicht durchgängig überprüft.
Aufgrund der unterschiedlichen lexikalischen, grammatikalischen und semantischen Gegebenheiten ist die Glaubensthematik allerdings ganz generell schwer vom Deutschen ins Englische bzw. vom Englischen in Deutsche zu übersetzen. Die Probleme sind sprachinhärent und können in linguistischer Hinsicht nicht völlig ausgeräumt werden. Sie haben mit den Sprachen selbst sowie mit ihrer jeweiligen Geschichte zu tun. Der dadurch gegebene Bias in den deutschsprachigen und englischsprachigen Denkmustern macht sich ebenfalls immer wieder bemerkbar.
Übrigens: Wir haben begonnen, Ki-generierte Übersetzung zu unseren Publikationen zu sammeln. Ein unterhaltsames Vergnügen voller Skurrilitäten.
Credition in einem globalen Sprachkontext
Credition mit zwei Sprachwurzeln: Das Credition Research Network hat deutschsprachige und englischsprachige Wurzeln. Die wissenschaftlichen Publikationen erfolgen allerdings fast ausschließlich in Englisch. Auch in der für die Creditionenthematik besonders relevanten Naturwissenschaft sowie in der nicht minder bedeutsamen Kognitionswissenschaft ist das Englische die lingua franca. Dies gilt auch für einen erheblichen Teil der epistemologischen Debatten in Philosophie und Psychologie. Für die aktuellen translationalen Herausforderungen im Credition Research Network und der in diesem Rahmen publizierten Literatur, sind die nur bedingt zu überbrückenden Übersetzungsprobleme zwischen dem Englischen und dem Deutschen immer wieder eine Herausforderung. Die Thematik spielt auch in unseren Kongressen häufig eine wichtige Rolle.
Herausforderungen linguistischer Art: Sprachwissenschaftlich kann man die Übersetzungprobleme im Wesentlichen drei Bereichen zuordnen. Es zeigen sich semantisch bedingte, lexikalisch bedingte und grammatikalisch bedingte Übersetzungsprobleme. Abhängig davon, ob Englisch die Muttersprache ist oder nicht, kann die Sensibilität für die damit gegebenen Herausforderungen unterschiedlich ausgeprägt sein.
Die wissenschaftliche Sprache des Credition Research Networks Die wissenschaftliche Sprache des Credition Research Networks ist Englisch. Sprach- und Übersetzungsprobleme machen sich permanent bemerkbar. Die Schwierigkeiten steigern sich exponentiell, wenn man den Bereich der indoeuropäischen Sprachen verlässt und die Sprachkulturen Afrikas, Indiens und Asiens mit in den Reflexionshorizont einbezieht. Für ein Verständnis von Creditionen ist dies unabdingbar. Das Wissen um die Übersetzungsprobleme, die die Glaubensthematik von der Antike bis heute begleiten, kann dazu beitragen, Creditionen auch in einem globalen, non-WEIRD-Horizont sprachlich zu verankern. Damit wird “<Glaube und glauben>” wie schon seit der Antike, nun aber in einem globalen Horizont erneut zu einem faszinierenden Thema.
Die relevanten Sprachen und ihre Entwicklungen
Für die Entwicklung der Glaubensthematik spielen von der Antike bis zum Mittelalter (ca. 4. Jh. v. Chr. - ca. 11./12. Jh. n. Chr.) vor allem zwei Sprachen eine Rolle: Altgriechisch und Latein. Eine gewisse Sonderrolle kommt dem Hebräischen zu. Erste schwierig zu behebende Herausforderungen entstanden bei der Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische. Dies betrifft gerade auch das griechische Lexem für “glauben”. Aus dem gleichen Wortstamm existiert ein Adjektiv πιστός [pistós: vertrauenswürdig], das Verb πιστεύειν [pisteúein: glauben] und das Substantiv πίστις [pistis: Glaube]. Eine solch kompakte Einheit ist im Lateinischen nicht gegeben, weil nominale und verbale Formulierungen auseinanderfallen. Das Verb credere [glauben] und das Substantiv fides [Glaube] stammen nämlich aus unterschiedlichen Wortstämmen. Somit waren Spannungen vorgezeichnet. Sie machen sich insbesondere bei der Übersetzung der griechisch verfassten biblischen Texte ins Lateinische bemerkbar. Sie kommen aber auch bei der Übersetzung von griechisch verfassten Schriften der frühchristlichen Philosophie zum Tragen, in denen die Glaubensthematik eine zentrale Rolle spielt. Allmählich entstanden dann auch Texte zur Glaubensthematik, die lateinisch verfasst waren und damit von vornherein zwei unterschiedliche Wortstämme für glauben und Glaube verwenden mussten. Eine Unsicherheit blieb bestehen: Lässt sich im Lateinischen das, was mit einer griechischen Formulierung gemeint ist, tatsächlich adäquat zum Ausdruck bringen? Darauf gab es oft keine eindeutige Antwort. Doch Latein avancierte zur Sprache der Wissenschaft. Und auch über die Glaubensthematik wurde in Latein debattiert. Das hat bis heute Spuren in unserem Denken hinterlassen.
Ab dem 12. Jh. begann auch das Arabische in den philosophischen Debatten um das Verhältnis von Glauben und Erkenntnis, von Seele und Verstand, eine wichtigere Rolle zu spielen. Toledo wurde zum Zentrum eines regen philosophischen und theologischen Austausches, an dem christliche, jüdische und arabische Gelehrte beteiligt waren. Die dabei verwendeten und miteinander in Beziehung gesetzten Sprachen waren Griechisch, Latein, Hebräisch und Arabisch. Die in diesem kulturellen Großprojekt entwickelten und verwendeten Termini sind in hohem Maße einer aristotelisch-neuplatonischen Philosophie entnommenen und sind somit auch mit ihr verbunden. Die herausgearbeiteten Termini standen immer wieder in Spannung zu bislang im Umlauf befindlichen Ausdrücken, die in erster Linie platonisch geprägt waren. Die wissenschaftlichen Konflikte und die dabei verwendeten Ausdrücke beeinflussten in wirkungsvoller Weise auch das Verständnis von Glauben und seiner Bedeutung für Erkenntnis.
Die Bedeutung der Geographie für sprachlich imprägnierten Glauben
Der für die “Übersetzungsfrage” relevante geographische Raum ist ein riesiges Gebiet, das in etwa das römische Weltreich umfasste und in der Antike als ἡ οἰκουμένη [Oikuméne] - d.h „die bewohnte Erde“ [οἰκέω: oikéō: bewohnen] - bezeichnet wurde. Dieses Gebiet blieb auch nach dem Zerbrechen des römischen Imperiums (ab dem 5. Jh.) für die Übersetzungsthematik relevant. Allerdings nahm der weiterhin bestehende oströmische (byzantinische) Teil des Imperiums eine andere Entwicklung als der von Hunnen und Germanen überrollte weströmische Teil. Für die Übersetzungsthematik bedeutsam wurde ferner, dass sich die kulturell-geographischen Grenzen im Zusammenhang mit der arabischen Expansion (ab Mitte des 7. Jh.) zu verschieben begannen. Erhebliche Teile des ehemaligen gesamtrömischen Reiches, vor allem jene südlich und östlich des Mittelmeeres, nahmen nun unter dem Einfluss des Islam eine deutlich andere Entwicklung. In den Gebieten nördlich und westlich des Mittelmeers, die nicht oder nur kurzfristig von der arabischen Eroberung betroffen war, verschob sich das “Gravitationszentrum" kultureller und politischer Entwicklung in Richtung Nordosten. Das hatte zur Folge, dass sich zum einen im westlichen Teil des ehemals gesamtrömischen Reiches allmählich (ca. ab dem 11. - 14. Jh.) die modernen romanisch geprägten Nationalsprachen herausbildeten; zum anderen gewannen nun aber - in etwa zur gleichen Zeit - auch die sich ebenfalls entwickelnden nicht-romanischen bzw. nur teilweise romanisierten Sprachen an Bedeutung: vor allem das Deutsche und das Englische. Während die Gelehrten in der romanischen Sprachwelt weiterhin eine gewisse Affinität zum Lateinischen hatten, war für die Gelehrten auf den britischen Inseln Latein eine neu zu erlernende Fremdsprache. Das war auch in jenen Teilen des Frankenreichs der Fall, der von Germanen besiedelt war. Die “Übersetzungsfrage” gewann dadurch an Brisanz. Hierbei machte sich hinderlich bemerkbar, dass die zu Abstraktionen fähige Artikulationsfähigkeit des Lateinischen dem Denken der Germanen in hohem Maße fremd war. Somit geriet die “Übersetzungsfrage” erneut in den Sog mentaler Unterschiede, die in die einzelnen Sprachen eingewoben waren und die ihre Entwicklungspotentiale beeinflussten. Gerade für den Ausdruck “Glaube” sowie für andere “glaubensrelevante” Ausdrücke entstanden daraus Unstimmigkeiten, die bis heute spürbar sind und die auch die wissenschaftliche Annäherung an die Creditionenthematik erschweren.
Philosophisch und theologisch beeinflusste Sprachwelten
Glaube hat sowohl mit Wissen als auch mit Religion zu tun. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Glauben waren beide Bereiche bis ins hohe Mittelalter eng miteinander verwoben. Ab der Neuzeit begannen sie sich immer weiter auseinanderzuentwickeln. Nun entstanden allmählich zwei sich getrennt entwickelnde Wissenschaftlandschaften. In beiden werden heute immense Bestände an wissenschaftlicher Literatur generiert, die allerdings kaum noch irgendeine Beziehung erkennen lassen. Die Glaubensthematik wird im Zusammenhang mit Wissen (z.B. Epistemologie, Kognitionswissenschaft) anders reflektiert als im Zusammenhang mit Religion (z.B. Religionswissenschaft, Theologie). Um die wissenschaftliche Literatur strukturieren zu können, verwende ich die Formulierung “Glaube-Wissen-Komplex” und “Glaube-Religion-Komplex”. Die Sprach- und Übersetzungsproblematik macht sich in beiden Komplexen - in z.T. andersartiger Weise - bemerkbar. Es gibt jedoch bis heute eine Gemeinsamkeit, die beide Komplexe verbindet: Die Debatten zum Thema Glaube sind in hohem Maße nominal grundiert. Das heißt: In der wissenschaftlichen Literatur beider Komplexe kommt “Glaube” in erster Linie als Substantiv zur Sprache. Das fördert die Auffassung, dass Glaube ein statisch-stabiles Gebilde sei. Aus diesem Grund erschweren die nominal grundierten Debatten sowohl für den “Glaube-Wissen-Komplexes” als auch für den “Glaube-Religion-Komplexes” den Zugang zu einer prozessual-dynamischen Creditionen-Perspektive. Um diesen Graben behelfsweise zu überbrücken, mag es zunächst (und lediglich als vorläufige Hilflskonstruktion) hilfreich sein, von zwei Polen zu sprechen, auf die sich der Glaubensvorgang in seiner Dynamik hinbewegen kann: auf den Glaubenspol Wissen und auf den Glaubenspol Religion. Credition als biologische Grundlage für Glaubensvorgänge hat mit beiden Polen zu tun.
Neuigkeiten und bevorstehende Veranstaltungen
Alle Neuigkeiten
Leitung des Credition Research Project
| https://aljoschaneubauer.wordpress.com/ |
| https://www.tugraz.at/institute/ime/home |
| bit.ly/431NU0C https://forschung.medunigraz.at/fodok/suchen.person_uebersicht?sprache_in=de&menue_id_in=101&id_in=2005444 |
Wissenschaftliche Gesamtplanung
Prof. Dr. Hans-Ferdinand Angel
Wissenschaftliche Biografie:
1976 -1981 Studium Latein, Theologie, Geschichte in Regensburg und Paris
1982 - 1984 Unterricht am Humanistischen Gymnasium Leopoldinum in Passau und am humanistisch-neusprachlichen Gymnasium in Kelheim
1984 - 1988 Doktorat für Religionspädagogik an der Universität Regensburg (Prof. Dr, Wolfgang Nastainczyk): Thema: Naturwissenschaft und Technik im Religionsunterricht
1988 - 1994 Habilitation für Religionspädagogik an der Universität Regensburg (Prof. Dr. Wolfgang Nastainczyk): Thema: Der religiöse Mensch in Katastrophenzeiten. Religionspädagogische Perspektiven kollektiver Elendsphänomene
1994 - 1996 Privatdozent an der Universität Regensburg
1996 - 1997 Professur für Religionspädagogik an der TU Dresden
1997 - 2023 Professur für Katechetik und Religionspädagogik an der Karl-Franzens Universität Graz
2011 Wissenschaftliche Leitung des Credition Research Project
2023 Professor emeritus der Karl-Franzens Universität Graz
https://religionspaedagogik.uni-graz.at/de/persoenlichkeiten/
Prof. Dr. Rüdiger J. Seitz
https://klinikum-duesseldorf.lvr.de/de/nav_main/vita/vita_5.html